Ist was faul im Staate D…? Oder sind wir lediglich kulturindifferent?

Ist was faul im Staate D…? Oder sind wir lediglich kulturindifferent?

10.03.2017 – In Moskau wird ein nicht-staatliches Museum von Spezialeinheiten der Moskauer Polizei regelrecht überfallen. Unter dem Vorwand, unrechtmäßig Gemälde von Nikolaj Roerich erhalten zu haben, wird das Internationale Roerich-Zentrum von der Staatsanwaltschaft durchsucht, es werden rund 200 Gemälde und Skizzen sowie wertvolle Manuskripte und Archivdokumente beschlagnahmt. Die ganze Aktion dauert von 9 Uhr morgens am 7. März bis um 5 Uhr morgens des nächsten Tages. Auf einer Pressekonferenz des Roerich-Zentrums am 9. März wurden Details berichtet. Die anwesenden Mitarbeiter des Museums wurden weggeschlossen, verpflegt wurden sie nicht, schlafen durften sie auf dem Fußboden oder auf ihren Stühlen. Sämtliche Überwachungskameras wurden abgeschaltet, Telefone stillgelegt. Die Aktion wurde von hochrangigen Beamten des Kulturministeriums und des Museums des Ostens begleitet und, auf Nachfrage, offiziell als „Experten“ bezeichnet. Neben den in Verdacht der Unrechtmäßigkeit stehenden Gemälden wurden auf Wunsch der „Experten“ auch Exponate beschlagnahmt, die nachweislich nichts mit den Vorwürfen zu tun haben. Reaktion der Leiterin der Durchsuchung: „Ich habe das so bestimmt!“ Es wurden nicht wahllos Gemälde, sondern gezielt bestimmte Bilder konfisziert. Bei der Auswahl sagten die „Experten“ nicht nur einmal: „Die können wir gebrauchen.“ Und wo befinden sich die beschlagnahmten Werke? Nicht in Aufbewahrungsräumen der Staatsanwaltschaft, sondern im Museum des Ostens, eben dort, wo ein unerbitterlicher Kampf mit dem Roerich-Zentrum um seinen Fortbestand als nicht-staatliche Institution für die Bewahrung des Roerich-Erbes als Gemeingut, und nicht als Eigentum eines staatlichen Museums, tobt.

Die Welt müsste eigentlich entrüstet aufschreien wegen derartiger Behördenwillkür, auch Deutschland. Und was geschieht hier? Nicht jedem ist Nikolaj Roerich oder das Roerich-Zentrum ein Begriff, aber es geht hier um eine international anerkannte Kultureinrichtung. Nicht jeder versteht Russisch und kann sich die Informationen über die Geschehnisse aus dem Internet beschaffen. Ja, aber warum entgehen den Moskauer Korrespondenten der deutschen Medien diese Ereignisse? Das russische Fernsehen, nicht nur die privaten Sender, berichtet zur Prime Time in den Nachrichten. Keine Zeit? Denken die deutschen Journalisten, dass es neben dem Besuch unseres Außenministers nichts aus der Hauptstadt Russlands zu berichten gibt? Oder meinen „unsere“ Auslandskorrespondenten, dass kulturelle Ereignisse nur dann berichtenswert sind, wenn Deutschland betroffen ist?

Kultur ist nicht nur, regelmäßig ins Theater zu gehen oder ein Museum zu besuchen. Kultur ist auch, für den Erhalt gesellschaftlicher Errungenschaften zu kämpfen. Das Internationale Roerich-Zentrum und sein Roerich-Museum sind die größte nicht-staatliche kulturelle Einrichtung in Russland. Sie verdienen Respekt und die Berechtigung, auch weiterhin für den Erhalt von Frieden und Kultur sowie die Bewahrung des Erbes einer großartigen Familie von Künstlern und Wissenschaftlern, den Roerichs, aktiv tätig zu sein.

Mit Hakenkreuzen gegen die Roerichs

09.02.2017 – Im März 2013 sahen Zuschauer Russlands erstmals den Film „Ruf der kosmischen Evolution“, den das Internationale Roerich-Zentrum produzierte. Filmvorführungen wurden in 17 Ländern gezeigt, unter Anderem im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York, in den europäischen UN-Vertretungen in der Schweiz und Österreich, sowie im Friedenspalast in den Haag. Den Film sahen Zuschauer der Metropolen Europas, Lateinamerikas, Indiens und der USA. 

Allerdings entzog im August des Jahres 2016 das Ministerium für Kultur plötzlich dem Internationalen Roerich-Zentrum die Verleihlizenz des Films. Nach Angaben des Ministeriums ist der Film zu verbieten, da in ihm Bilder von eine faschistischen Hakenkreuz sichtbar sind. In der Geschichte der russischen Kinematographie gab es noch keinen Fall, dass ein Fragment, das den Sieg des sowjetischen Volkes im Zweiten Weltkrieg darstellt, vom Kulturministerium als Propaganda von Nazi-Symbolen interpretiert wurde.

Experten zufolge ist dies ein gefährlicher und sehr negativer Präzedenzfall. Bei einem derartigen Ansatz lässt sich jeder Film als NS-Propaganda werten, der das Thema Nazismus behandelt, egal ob in der UdSSR oder einem beliebigen anderen Land gedreht.